Freitag, 15. Februar 2008
Geschrieben von Marianne Harr
Dogola
Am Tag nach Josefines und Philipps Abschied ging es dann also nach Dogola.
Ich wollte ja schon immer mal „adentro“ (rein) gehen. Das heißt echt mal in die Pampa. Es gibt zwei Wege, die aus La Y führen. Der eine Weg geht vorbei an der Lagune und der andere führt adentro. Das heißt man geht immer tiefer in die Pampa und kommt an lauter verschiedenen Dörfern vorbei. Wobei man das Wort Dorf hier nicht falsch verstehen darf. Das sind weit verstreute Häuser und auch nur ein paar wenige. Man kommt vielleicht mal an einem Haus, das am Wegesrand steht vorbei und dann sagt man: Jetzt sind wir in dieser oder jener comunidad. La Y ist das einzige Dorf, wo die Häuser wirklich beieinander stehen. Wie gesagt, ich wollte schon immer mal „adentro“. Ich hatte bisher ja immer nur die Leute gesehen, wie sie kommen, auf diesem einzigen Weg, der von „adentro“ nach La Y führt. Mit völlig verdreckten mulas, vollgepackt mit Säcken. Aber ich hatte nie eine Vorstellung, wie es auf diesem Weg und in den verschiedenen Dörfern aussieht, wo die Menschen herkommen. Ich wollte ja mehrere Male mit Philipp seine Familie in Dogola besuchen, aber leider ist immer was dazwischen gekommen, also habe ich beschlossen mit Karen die Familie zu besuchen (sie und Philipp haben ein gemeinsames Patenkind in Dogola). Aber kurz entschlossen haben sich Julie, Thomas und Edwin auch noch dran gehängt und wir haben eine Minibrigade aus dem Trip nach Dogola gemacht. Ich hatte zwei Tage vorher noch gespuckt, bis ein Tag zuvor hatte ich Antibiotika genommen und die Nacht vorher hatte ich ja wegen des Festes nur knapp vier Stunden geschlafen. Und mit diesen Voraussetzungen ging es dann also los. Ich glaube, wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, ich hätte mir das wunderschöne Dogola entgehen lassen. Die Familie von Philipps Patenkind aus Dogola war ja auch bei seinem Abschied dabei gewesen und sie sind auch wieder zurückgegangen. Sie waren da mit ihren mulas (Maultiere) und haben das ganze Gepäck von uns drauf geschnallt, wie auch die ganzen Medikamente und Materialien von den Ärzten. Wir haben natürlich ewig gebraucht, bis wir endlich losgekommen sind. Um elf Uhr haben Edwin, Julie und ich gesagt, wir gehen jetzt einfach los. Julie und ich hatten je eine Wasserflasche in der Hand und Edwin hatte hinten in seiner Hosentasche eine Flasche Pony Malta (ein sehr sehr suesses Getränk, was eigentlich nur Edwin trinkt). Und so sind wir also losgestapft auf dem Weg adentro. Anfangs ist der Weg ja noch ganz gut, das heißt ca. die ersten 15 Minuten. Aber ab dann ist es schlichtweg nur noch lodo (Matsch). Und ich meine wirklich Matsch. Nicht so ein bisschen knöchelhoch, sondern bis zu den Knien. Ich hatte ja gedacht, ich wüsste was lodo ist, aber der lodo in La Y ist nicht mit dem zu vergleichen, was wir da auf dem Weg hatten. Und natürlich hat es nach 20 Minuten, nachdem wir losgelaufen sind, richtig angefangen zu regnen. Aber so richtig, so dass wir nach wenigen Minuten komplett durchnässt waren. Ich bin echt nur froh, dass der Regen hier ein angenehmer Sommerregen ist, aber es ist schon etwas nervig gleich am Anfang komplett durchnässt zu sein und die Klamotten kleben einem am Körper. Aber nun gut, das war ja nun wirklich nicht das Schlimmste. Edwin, Julie und ich sind also durch den Schlamm gewatet, wobei Edwin eigentlich mehr gerannt ist. Für ihn ist es ja nichts Neues. Man muss immer auf den Boden starren und einen guten Weg finden und man muss sich immer überlegen, wo man den nächsten Schritt hintut. Um einen herum ist eine super Landschaft, aber man sieht einfach nur Schlamm, weil man die ganze Zeit nur angestrengt auf den Boden starren muss. Am Rand des Weges, wo ein bisschen Gestrüpp ist, ist es ja weniger matschig und so haben wir versucht dort entlang zu laufen, obwohl das auch nicht immer möglich ist und dort oft auch einfach nur matschig ist. So sind wir also einfach nur gewatet. Julie und ich haben es uns ja wie einen schönen sehr langen Spaziergang vorgestellt, wollten uns schön und lange unterhalten und die Natur genießen. Naja, es war komplett das Gegenteil. Jeder hat sich einfach für sich durch den Schlamm gekämpft. Anfangs hatten wir uns ja noch mit „vamos equipo“ angefeuert, aber das ist auch bald verstummt, hin und wieder haben wir versucht uns damit anzufeuern, aber eigentlich musste einfach jeder für sich einen Weg finden durch den Schlamm zu kommen. Und ich bin natürlich nach einer halben Stunde im Matsch gelandet. Mein Stiefel ist mal wieder stecken geblieben und ich hab ein Schritt ohne gemacht, bin ausgerutscht und bin komplett im Matsch gelandet und ich war etwas verzweifelt, ich bin auch selber nicht mehr rausgekommen. Und ich mein, wenn es nach einer halben Stunde schon so anfängt und man weiß, es sind noch 8 Stunden vor einem und der Schlamm war jetzt schon in meiner Hose, das ist schon etwas nervenzerreibend. Edwin hat einfach nur gelacht und fands natürlich super, dass es mich so bald schon hingefetzt hat. Julie hat mir also rausgeholfen aus dem Schlamm und ich habe meinen Stiefel wieder raus gezerrt aus dem Matsch und weiter ging’s. Ich war nun also komplett eingesaut. Aber nach dem man das zweite Mal hingefallen ist, ist man eigentlich einfach nur resigniert und regt sich eigentlich nicht mehr auf. So ging es also weiter. Julie und Edwin waren mir irgendwann voraus und ich habe nur gedacht ich bleib einfach am Wegesrand liegen und sterbe. Aber man muss einfach ein Fuß vor den Anderen setzten. Irgendwann habe ich mich aber einfach nur in den Matsch gelegt und musste mich erstmal wieder sammeln, bis ich weiter gelaufen bin. Das Problem an der ganzen Sache war ja noch, dass meine Stiefel mir zu groß sind und ich so echt Schwierigkeiten hatte beim Laufen, weil ich ja ständig nur rausgerutscht bin und nicht wirklich Halt in meinen Stiefeln hatte. Ich habe Edwin und Julie also wieder getroffen, als sie eine kleine Pause in einem Haus gemacht haben. Ich habe mich einfach nur auf den Boden fallen lassen und habe alles von mir gestreckt. Zu spät habe ich gemerkt, dass ich mich in dem Haus eines Schülers von mir befand, der sich natürlich nicht mehr eingekriegt hat vor Lachen. Da lag nun seine Lehrerin komplett in Schlamm eingesaut und fertig mit der Welt auf dem Boden. Naja, Karen und Thomas sind nach ca. 20 Minuten auch bei dem Haus angekommen. Ich habe mich etwas vom Dreck befreit und meine Stiefel und meine Socken gewaschen und gehofft so nicht immer aus den Stiefeln rauszurutschen. Die schlammigen Socken sind ja einfach nur glitschig. Nach einer Cola und Keksen ging es dann also weiter. Ich hatte neue Motivation und Energie, aber ab da war es wirklich nur noch schrecklich. Mit den nassen Socken war es schlichtweg unmöglich zu laufen. (Ich hatte den Tipp, meine Socken zu waschen, sogar von Edwin bekommen. Bei mir hat er aber eher das Gegenteil bewirkt). Ich bin nun also so gelaufen: Ein Schritt im Stiefel, rausrutschen, ein Schritt sockig, Stiefel aus dem Matsch zerren, anziehen, ein Schritt im Stiefel, ein Schritt sockig..... Meine Hoffnung war, dass Edwin die Patenfamilie einholt, dass ich ein bisschen auf einem mula reiten kann. Naja, das war leider nicht der Fall. Karen hat mir dann versucht lauter Tipps zu geben, wie man am besten durch kniehohen Schlamm kommt und der Beste war: Schwebe über den Schlamm. Und man muss sagen, dass ist auch wirklich der Beste aber die Umsetzung ist nicht ganz so leicht. Man muss einfach nur rennen und dann geht es am Besten. Einfach nie einsinken in den Schlamm, immer drueber weg schweben. Das geht ja für eine Zeit ganz gut, aber ich bin einfach nur immer aus meinen Stiefeln rausgerutscht und so war es für mich ziemlich unmöglich über den Matsch zu schweben.  Aber hin und wieder gab es auch kleine, schmale Bäche, die sich durch den Matsch gezogen haben und durch die man dann laufen kann, oder ganz selten gab es sogar eine Strecke von ca. 10 Metern wo es kaum Schlamm gab. Die Natur ringsum ist wunderschön. Man schaut in eine unglaubliche Weite, vor einem liegen einfach nur grüne Hügel. Aber das Traurige ist ja, wie gesagt, dass man immer nur auf den Matsch starren muss. Wir haben uns also weitergekämpft. Julie und Karen waren auch extrem müde, sie hatten ja auch kaum geschlafen und Julie hat sich irgendwann nur noch mit den Worten „SÃ, se puede“ angefeuert. Und ich habe mehr im Schlamm gebadet, als dass ich darin gelaufen bin. Und als ich dann mal wieder komplett im Schlamm lag, und gerade wieder meinen Stiefel raus zerren wollte, da kam meine Rettung: Pedro. Mein Held. Er sah mich, wie ich da lag, von oben bis unten mit Matsch bedeckt. Mein Gesicht, meine Arme und meine Hose sowieso, (ihre Farbe konnte man schon lang nicht mehr identifizieren)und ich war einfach nur resigniert und habe mich schon lange nicht mehr aufgeregt. Er stieg einfach und völlig selbstverständlich von seinem mula, hat mich drauf gepackt und ist selber gelaufen. Dieser Moment war echt unbeschreiblich. Ich saß also auf dem mula und konnte endlich mal etwas die Landschaft betrachten. Aber wer jetzt denkt, ab da war alles in Ordnung und ein einziges Zuckerschlecke, der hat sich komplett getäuscht (ich mich übrigens auch). Denn der schlimmste Teil lag noch vor mir. Ich war also auf dem mula, Pedro (übrigens, Pedro ist ein Mann aus La Y, ich hatte ihn aber bei der Abschiedsfeier das erste Mal gesehen) ist über den Matsch geschwebt und das ist echt unglaublich. Die Kondition, die die Menschen hier haben, Wahnsinn. Wir haben auf dem Weg nach Dogola immer wieder Leute getroffen und die sind einfach nur über den Schlamm gerannt und kommen dabei nicht mal ins Schwitzen. Ich musste feststellen, dass ich wirklich gar keine Kondition habe. Pedro ist einfach neben dem mula her gerannt. Und die mulas sind echt erstaunlich. Sie haben genau ihren Weg. Auch wenn es links und rechts von ihrem Weg viel leichter wäre zu laufen, sie laufen nur auf ihrem Weg und wissen ganz genau wohin. Manchmal war mein mula bis zu den Hüften im Schlamm und ich habe mit meinen Füssen den Boden gestreift, aber sie gehen einfach ihren vertrauten Weg. Und das ist auch gut so, sonst wäre ja der komplette Weg für Menschen echt nicht begehbar. Wo die mulas laufen ist es ja echt nochmal um einiges matschiger. Wir sind dann also ziemlich bald in La Yecita angekommen. Von dort sind es nochmal 3 Stunden nach Dogola. Wir waren also schon 4 Stunden unterwegs. Die Patenfamilie war schon da und ein anderer Mann (Rambo) und seine Familie, die auch auf dem Weg nach Dogola waren sind auch kurz nach uns angekommen. Wir waren nun also eine echt große Gruppe. Wir haben aber erstmal eine Pause gemacht, wir haben etwas gegessen, die Anderen haben Billard gespielt und die Leute haben sich natürlich totgelacht über mich und ich habe einfach mit gelacht. Es muss schon ein toller Anblick sein, eine gringa komplett eingeschlammt. Ich hab dann auch versucht mich etwas zu waschen, aber so bald ich an meine Klamotten gekommen bin waren meine Arme wieder dreckig und es war ziemlich sinnlos, aber wenigstens für einen Moment hatte ich saubere Hände, das ist ja schon mal was. Wir haben also gegessen und sind dann wieder weiter. Ich bin wieder auf Pedros mula aufgestiegen, Karen hat das von ihrem compadre bekommen (der Vater von ihrem Patenkind) und Julie das von der comadre. Und die ganze Gruppe ist los. Wobei ich mit Pedro, Rambo und dem compadre etwas hinterher war. Und Karen ist mit ihrem Pferd nur an mir vorbeigeschossen. Sie hatte es nicht so ganz unter Kontrolle und das Tier ist einfach nur wie verrückt losgerannt. Naja, und mein mula ist einfach losgelaufen und Pedro und die anderen Männer haben noch irgendwas in La Yecita rumgewerkelt und so war ich allein mit dem mula. Die große Gruppe war vor mir, Karen und ihr Pferd sind einfach nur davon galoppiert und die Männer waren irgendwo hinter mir. Ich wurde leicht panisch, aber mein mula war zum Glück recht hungrig und ist irgendwann einfach an einem Busch stehen geblieben um etwas Gras zu fressen. Und dann sind zum Glück die Männer plus zwei Cañaflaschen (Caña ist ein sehr beliebter Alkohol hier) gekommen. Also die Cañaflaschen würde ich nicht als Glück bezeichnen. Und sie haben ständig mein armes mula, das ja teilweise bis zur Hüfte im Schlamm steckte angefeuert. Ständig haben sie nur Hatscho gerufen oder komische Schmatzgeraeuche gemacht und mit einem Ast das arme Ding angetrieben. Vorher hatte Pedro das ja auch gemacht, aber nun waren es drei Männer. Und das arme mula hat versucht im Schlamm schnell zu gehen, aber das ist einfach nicht so leicht. Und es ist ständig in die Knie gegangen und ist nach vorne gefallen und ich hatte etwas Panik. Und ich habe immer nur Ay ay ay gerufen, was die Männer natürlich ganz lustig fanden und sie haben immer nur gesagt: Nochmal, ay ay ay. Naja, und ich habe mir immer wieder gesagt, nein Marianne, sag nicht nochmal ay ay ay und dann ist mein mula schon wieder nach vorne gekippt und ich natürlich: ay ay ay. Da war ich nun also, allein auf dem mula und drei Männern hinter mir, von denen mein Retter Pedro schon gut dabei war beim Cañatrinken. Naja, nach einer Zeit, ich hatte mich schon langsam an das mula gewöhnt, ist es auf eine kleine Anhöhe gestiegen (hat es öfters gemacht) und plötzlich, ist es einfach nach hinten gefallen und ich und das Gepäck natürlich mit. Und ich hab mich zweimal überschlagen und hatte einfach nur Panik, dass das mula mir hinterher kommt und noch auf mir landet und hab mich schnell zur Seite in die Büsche gerollt. Das Pferd lag also da, hat sich aber schnell wieder berappelt, Pedro hat einfach wieder alles Gepäck drauf geschnallt und ich wollte eigentlich nicht mehr allzu gern auf das mula zurücksteigen. Pedro und der compadre haben mich aber beruhigt und haben gesagt, es hätte sich nur vor einem Vogel erschreckt. Naja, mir blieb ja auch nicht anders übrig als wieder aufzusteigen. Ich also wieder aufs mula und ich war jetzt natürlich bei jedem Mal, wenn es wieder in die Knie eingeknickt ist, etwas panischer. Der compadre und Rambo waren auch etwas schneller und haben die große Gruppe eingeholt. Nun war ich also allein mit Pedro und dem mula. Pedro hat mich nur ausgefragt über Michael Schumacher und die Berliner Mauer und ich habe immer nur konzentriert auf den Weg gestarrt und mich an meinem mula festgeklammert und hatte echt andere Probleme als die Berliner Mauer. Aber ich war eigentlich ganz dankbar für etwas Ablenkung. Mein mula ist auch immer wieder komische Wege gelaufen. Wie gesagt, mal kurz auf eine Anhöhe oder sonst wohin, wo die Leute gar nicht laufen und ich hab immer nur gerufen: Wo läuft es hin, wo läuft es hin? Und Pedro hat immer nur gesagt: vertraue dem mula, es weiß ganz genau seinen Weg. Naja, mir blieb ja auch echt nichts anderes übrig, als einfach nur dem mula zu vertauen, obwohl mein Vertrauen nach dem Sturz schon deutlich weniger geworden war. Es wurde also schon immer dunkler, die Gruppe war schon weit voraus. Und dann kam der schrecklichste Teil des ganzen Weges. Es ist eigentlich echt unglaublich, wenn man denkt, es kann nicht schlimmer werden, dann wird es nur noch schlimmer und schlimmer. Also bisher waren wir ja nur auf dem schlammigen Weg gewesen und links und rechts von uns war der Dschungel. Plötzlich ist mein mula dann doch aber tatsaechlich nach rechts abgebogen. Ich hab natürlich wieder gefragt: Wo läuft es hin? Ich habe gedacht, es macht wieder seinen komischen Schlenker. Aber nein, es war auf dem richtigen Weg. Wir sind also in den tiefsten Dschungel und ab da ging echt gar nichts mehr bei mir. Es war schon 6 Uhr abends, das heißt schon recht dunkel. Ich war allein mit Pedro im Dschungel, ich hatte keine Ahnung wo ich war. Und ich hatte keine Vorstellung wie lange ich durch den Dschungel musste. Und das Problem bei der ganzen Sache war ja noch, dass er verdammt steil runter geht, also so richtig steil. Das mula ist also immer wieder nach vorne gestürzt und hat sich immer wieder nur grad so abgefangen und ich musste mich nur an dem armen Tier festkrallen, damit ich nicht vorne über runtergefallen bin. Es war echt nur Horror. Und Pedro ist nur so hinterher gestolpert. Und ständig hatte ich irgendwelche Äste oder sonst was im Gesicht und ich hatte schlichtweg nur noch Panik. Ich habe einfach nur gedacht, so das wars jetzt. Ich hatte ja schon hin und wieder mal ein Schockmoment oder so. Aber eine Stunde lang schlichtweg nur Panik, das habe ich in meinem Leben noch nie erlebt. Und ich musste diesem mula und Pedro, ein für mich völliger fremder Mann, komplett vertrauen und mich komplett auf ihn verlassen. Wenn Pedro mich warum auch immer allein gelassen hätte oder wir den falschen Weg gelaufen wären, ich wäre schlichtweg verloren gewesen. So lag mein Leben einfach nur in Pedros Händen und ich musste mich komplett ihm und dem mula überlassen und hatte einfach nur Angst. Ich habe kein Wort mehr gesprochen und die Tränen sind mir einfach nur uebers Gesicht gelaufen und Pedro hat immer nur gesagt: Hab keine Angst, hab keine Angst. Meine Stimme hat nur gezittert, deswegen hab ich einfach nur noch geschwiegen. Es war echt die schlimmste Stunde für mich, die ich je hatte. Als wir dann endlich unten am Fluss angekommen sind, hat sich Pedro sogar noch mit auf das arme mula gesetzt. Und das war schon Wahnsinn. Links und Rechts die hohen Bäume und dann der Fluss und man ist einfach im Dschungel. Das war schon toll. Ich konnts aber leider nicht wirklich genießen. Wir sind dann also durch den Fluss geritten. Und dann ging’s nochmal durch dichtes Gestrüpp und Pedro hat immer nur gesagt: Schuetz dein Gesicht, schütz dein Gesicht. Ich hab einfach nur meine Hand vors Gesicht gehalten, mir war alles so egal und ich war einfach nur resigniert. Pedro und ich sind also beide auf dem mula geritten und endlich, endlich kamen wir bei Rambos Haus an. Alle waren vergnügt und haben geredet und ich hab einfach kein einziges Wort gesagt. Und dann mussten wir sogar noch weiter zur unserer Unterkunft. Pedro also wieder rauf aufs mula und weiter ging’s. Als wir dann endlich angekommen sind, bin ich abgestiegen und hab Pedro einfach nur in den Arme genommen, dann hab ich mich auf die Treppenstufen gesetzt und einfach nur noch geheult. Der Compadre hat mich in seine Arme gezogen und ich habe mir geschworen nie wieder Dogola zu verlassen so lange es noch lodo gibt.  Naja, als sich dann alle gesammelt hatten, sind Julie und Edwin zum Fluss gegangen um sich zu baden und ich hab mich in die Küche in eine Wanne, neben dem Feuer gestellt und mich gewaschen. Es ist schon unglaublich, ich habe ja gedacht, wir uwerden in La ich habe ja gedacht, die Menschen in La Y würden recht bescheiden leben, aber dann steht man in einer Küche, wo die Menschen auf Feuer ihr Essen kochen. Da stand ich nun also und habe Wasser über mich gekippt. Wir sind dann aber alle ziemlich schnell ins Bett gegangen, wir waren einfach alle nur müde und mit den Kräften am Ende. Der nächste Tag war dann recht ruhig. Julie hat ein paar Impfungen gegeben, wir haben ein paar fichas gemacht (ein Programm vom Gesundheitsministerium) und Thomas und Edwin hatten ein paar Patienten. Am nächsten Tag haben wir beschlossen zum Wasserfall zu gehen. Ein mega hoher Wasserfall, total schön. Erst wollte eigentlich nur ein Mann aus dem Dorf mitgehen, plötzlich waren wir dann aber eine Gruppe von 12 Leuten, hat auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht. Man muss um zu dem Wasserfall zu kommen erstmal eine halbe Stunde durch die Pampa und durch den Wald laufen und dann eine Stunde so richtig steil bergauf durch den Dschungel krakzeln. Man muss genau schauen, wo der Vordermann seinen Schritt hinmacht, und da muss man seinen Schritt auch hintun. Obwohl der Vordermann natürlich auch manchmal ausrutscht. Man muss sich auch immer an einem Ast, einer Liliane oder einer Wurzel festhalten und hochziehen. So ist also die ganze Gruppe durch den Dschungel gezogen, bis wir zum Wasserfall gekommen sind und das war echt toll. Und das Besondere an so einer Tour ist auch, dass dieser Platz in keinem Reiseführer steht, dass ist nicht irgendeine Dschungeltouristentour, sondern das ist reiner purer Dschungel und wir sind einfach mit Einheimischen zu dem Wasserfall gegangen und nicht mit einem Touristenguide. Nun gut, dort haben wir also gebadet und den wunderbaren Wasserfall genossen. Danach sind wir dann noch höher gestiegen, wo es Handyempfang gibt, weil wir einer anderen Freiwilligen unbedingt eine sms schreiben mussten. Und das ist schon echt witzig. Da ist man mitten im Dschungel und kann sein Handy benutzen. Man muss sich dafür aber noch auf einen Baumstumpf stellen und den Arm ausstrecken und so haben wir also eine Nachricht verschickt. Am Abend gab es dann noch ein Fest für uns. Wir waren alle so todmüde, aber die Leute aus dem Dorf haben extra einen Stromgenerator gebracht, damit wir Musik und Licht haben. Und der Generator hat nur so geknattert und man hat ihn, trotz der Musik, die ganze Zeit gehört, aber es war wirklich rührend und nett, also haben wir etwas getanzt , Karten gespielt und Spaß gehabt. Und so ging dieser Tag auch schon wieder vorbei. Am nächsten Tag sind die Anderen nach Mono um den Leuten dort auch Impfungen zu geben und medizinisch zu versorgen. Ich bin aber lieber in Dogola geblieben, um den Tag mit Philipps und Karens compadres zu verbringen. Ich bin also morgens mit einem Jungen von der Familie, wo wir geschlafen haben, los. Allein hätte ich ja nie zu dem Haus der compadres gefunden. Und ihr Haus liegt einfach wunderschön, auf einem Hügel. Man kann den Wasserfall sehen, um einen herum sieht man den Dschungel und es ist einfach schön. Wir haben also die Kuh gemolken, die comadre hat Käse gemacht, wir haben geredet, Karten gespielt und hatten einfach eine gute Zeit. Der Junge (Miguel) war überall dabei. Ich hab dann auch noch ein paar fichas gemacht und bin so auch noch zu dem Haus von Rambo. Miguel meinte es wäre cercita (dass heißt näher als nah) und das bedeutet dann in Dogola man überquert zweimal den Fluss, dann muss man noch über ein paar Äste balancieren, die über einen Bach gelegt sind, dann muss man noch zweimal unter einem Zaun durchklettern, durch eine Kakaoplantage laufen und dann kommt man an. Ich hatte gar keine Orientierung und war echt froh den kleinen Miguel bei mir zu haben. Also, dann waren wir also bei Rambo und seiner Frau. Sie ist wahnsinnig nett, ich hatte sie bei dem Fest am Abend zuvor kennengelernt. Und dann war ich also bei ihnen und habe meine Fragen gestellt, die ich für die ficha stellen muss und bin natürlich voll bei ihnen hängen geblieben. Wir haben geredet, Rambo hat mir seine paar Englischen Sätze gesagt die er kann (My name is Rambo, I love you) und wir haben viel gelacht. Als ich gegangen bin hat mir Sonia (die Frau) doch tatsaechlich ihre Ringe geschenkt, damit ich mich immer an sie erinner. Ich war so gerührt. Und als ich dann schon aus dem Haus war ist mir Rambo noch hinterhergekommen und hat mir eine Tüte voll mit Gemüse in die Hand gedrückt und gesagt, dass ich mir einen guten Salat machen soll, da ich ja kein Fleisch esse und stark werden muss. Ich war so gerührt. So sind Miguel und ich also wieder zurück zu den compadres und danach haben wir noch ein paar andere Familien besucht um unsere fichas zu machen. Es ist schon sehr interessant bei den Leuten in die Häuser zu kommen und zu sehen, wie sie leben. Das hat mir sehr gut gefallen. Die krasseste Familie war aber ein Mädchen, das erst 15 Jahre alt ist aber schon in ihrer zweiten „Ehe“ und ein Kind hat. Aber sowas ist hier ja normal. So ging also auch schon der letzte Tag in Dogola vorbei. Am nächsten Tag sind wir dann ganz früh raus und zurück nach La Y. Ich habe mich aber einfach auf ein mula gesetzt und bin die ganze Strecke zurückgeritten. Zum Glück sind wir auch nicht den steilen Hügel durch den Dschungel zurück, sondern wir sind einen anderen Weg gegangen. 8 Stunden auf einem mula war zwar auch nicht sonderlich angenehm, aber auf alle Fälle besser zu laufen. Aber es war echt interessant mal zu sehen, wie die Leute leben, die zu uns ins subcentro kommen und sie haben echt meine volle Bewunderung, wie sie einfach durch den Schlamm rennen und in den einfachsten Verhältnissen leben und ihnen geht’s gut. Es war auf jeden Fall ein toller Trip und Julie und ich wollen auf jeden fall nochmal zurück nach Dogola. Trackbacks
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