Aber fangen wir am Anfang an. Nachdem ich nun also ein Tag zurück in La Y war habe ich die biblioteca aufgemacht und hatte so richtig Lust mit den Kindern aufs cancha zu gehen. (Dieser Zementfussballpaltz). Also bin ich mit den Kindern dahin, wir sind barfuß uebers Cancha gerannt und haben Fußball gespielt. Man muss halt immer wieder aufpassen, weil auf dem cancha immer wieder auch Schlamm ist und der ist natürlich ganz schön rutschig. Als ich dann mal wieder dem Ball hinterhergerannt bin, war ich leider nicht so vorsichtig und bin sowas von ausgerutscht. Es ging alles so schnell, so dass ich mich nicht mit den Händen abstützen konnte, sondern voll mit dem Gesicht voran auf den Zement gedonnert bin. Es hat ganz laut Zing in meinem Kopf gemacht und dann wars erstmal ruhig. Ich habe alles dann auch nicht mehr so ganz mitbekommen. Die Kinder haben mir irgendwann in meinem Gesicht rumgebatscht und ich habe immer nur gesagt: Geht zum subcentro, geht zum subcentro. Naja, sie sind dann also losgerannt und ich habe etwas mein Gesicht abgetastet. Meine Lippe war absolut dick und hat geblutet und meine Nase war auch komplett geschwollen und alles hat einfach nur weh getan. Zwei Kinder sind bei mir geblieben und hatten etwas Angst. Naja, und nach ein paar Minuten ist ein Mädchen strahlend und lachend auf mich zugerannt und hat gerufen: sie kommen, sie kommen.
Und dann war plötzlich das halbe Dorf versammelt und mir ging’s gar nicht gut. Thomas hat mir später gesagt, dass meine Augen in zwei verschiedene Richtungen gekullert sind und ich habe immer wieder das Bewusstsein verloren. Naja, dann sind ein paar Leute mit einer Hängematte und caña gekommen und so haben sie mich dann hoch zum subcentro transportiert. Ich kann mich an den Transport aber nicht mehr erinnern. Und da lag ich nun also und wurde etwas panisch, auch weil ich meine Arme nicht mehr richtig bewegen konnte. Und ich war einfach auch sauer, mein erster Tag zurück in La Y und ich fall halt mal voll auf Zement. Sie haben mich dann auf ein Krankenbett verfrachtet und alle waren so rührend. Guido und Kathi haben versucht mich etwas vom Dreck zu befreien, während mir einfach nur die Tränen uebers Gesicht gelaufen sind. Und dann ist ein Auto gekommen und Joanna und Thomas sind mit mir nach Quininde gefahren um Röntgenaufnahmen zu machen. Und das war sehr komisch. In diesem Raum lagen Hundeknochen rum und Plastikblumen und ich habe nicht mal so einen Schutzmantel bekommen, als ich geröntgt wurde. Nun gut, dort wurde also festgestellt, was Thomas schon vorher vermutet hatte, ich hatte meine Nase gebrochen, aber zum Glück nicht so schlimm. Wir sind dann aber doch noch zwei Stunden nach Santo Domiongo um auch noch meinen Kopf durchzuchecken. Wir sind ja mit einem Auto gefahren und das war ein einziges Geholper, weil die Straße voll mit Schlaglöchern ist, und bei jedem Loch habe ich gedacht, mein Kopf platzt gleich. Nun gut, wir sind dann endlich beim Krankenhaus angekommen, wo uns gesagt wurde, dass sie nicht die Geräte haben um meinen Kopf durchzuchecken und wir mussten zu einer Praxis mit einem sehr merkwürdigen Arzt. Es war inzwischen ja auch schon Nacht und es war alles etwas unheimlich. Allein in einer ganz leeren Praxis und einem komischen Arzt der immer gesagt hat: Plaese don’t move.
Nachdem er mich also durchgecheckt hatte und alles in Ordnung war, ist Thomas los um ein Taxi zu suchen. Joanna und ich standen also mit dem Arzt in der Tür und er hat nur gesagt: Hier ist es sehr gefährlich in der Gegend, ich habe immer das dabei. Und dann hat er seine Jacke aufgemacht und wie ein Cowboy zur Seite gehoben, um uns seine „Waffe“ zu zeigen, die Joanna und ich aber beide nicht so ganz identifizieren konnten. Und Thomas war ganz allein da unterwegs. Ich habe dann also mal etwas ängstlich nach ihm gerufen, aber keine Antwort bekommen, er ist dann auch zum Glück kurz danach mit einem Taxi gekommen und wir sind in ein Hotel. Wir haben und dann noch in ein chinesisches Restaurant gesetzt und eigentlich noch das Beste aus der Nacht gemacht. Außerdem waren wie Betten im Hotel wunderbar hart, so dass wir echt glücklich waren, als wir endlich im Bett lagen. Am nächsten Tag sind wir dann wieder ins Krankenhaus um was wegen meiner Nase zu machen, aber der Arzt hat gesagt, dass sie zwar gebrochen ist, aber an ihrem richtigen Platz, deswegen lassen wir sie einfach so. Ja und jetzt bin ich hier also wieder in La Y mit einer geschwollenen und grünen Nase und hoffe einfach, dass sie ganz schnell wieder heilt. Und natürlich kann ich kein Schritt mehr aus dem subcentro machen ohne gefragt zu werden wie es mir geht. Aber das ist ja eigentlich auch das, was ich an diesem Dorf liebe.